Wie der PauliOpa Schifahren lernte...
Einmal hat mir der PauliOpa erzählt, dass man im Winter
ja nicht nur Rodeln gehen könne, sondern dass viele Leute Schifahren
würden.
Der PauliOpa hat gesagt, das sei ein schöner Sport und
er habe diesen auch einmal lernen sollen, in der Schule als er noch ein
Bub war.
Er hatte damals keine Schi und Schischuhe, die man
dafür braucht, nur einen Anorak und eine Schihose hätte er gehabt. Seine
Eltern konnten ihm keine Ausrüstung kaufen, aber in der Schule war ein
Depot, wo gebrauchte Schi und Schischuhe ausgeborgt werden konnten. Also
hat sich der PauliOpa die passenden Schuhe ausgeborgt und ein Paar alte
Schi auch. Damals war das ja auch noch nicht so modern gewesen, mit dem
Kunststoffbelag und Kunststoffschi hätte es auch noch nicht gegeben. Man
verwendete in Schichten verleimte Holzschi, die man dann an der Unterseite
mit einem speziellen Lack und in spezieller Art selber lackieren musste.
Also hat der PauliOpa diese Schi dann zuhause
hergerichtet, die Lauffläche einmal abgeschmirgelt und zweimal lackiert.
Die Schibindung sei auch anders gewesen und keine
Sicherheitsbindung, wie heute, sondern nur ein Federdraht, der mittels
einer speziellen Hebeltechnik den Schischuh mit dem Fuß am Schi
festklemmte.
Als es dann Zeit war, die lackierten Schi getrocknet und
der Schnee in entsprechender Menge vorhanden war, fuhr der PauliOpa mit
seinen Freunden mit der Straßenbahn nach Hütteldorf. Es gab damals noch
nicht viele Autos.
Er stapfte dann auf einen Hügel hinauf, den
..Himmelhof", der ob seiner Form auch "Glatze" genannt
wurde, da er oben flach war.
Sie gingen eine halbe Stunde hinauf. Schilifte gab es
auch noch nicht viele in der Gegend und man musste früher schon eine ganz
gute Kondition gehabt haben, wenn man etwas Sportliches unternehmen
wollte.
Oben angekommen, schnallte sich der PauliOpa dann die Schi an und
begann auf dem flachen Stück
hinunter zu rutschen.
In der Stemmbogentechnik, wie er es in einem Lehrfilm
gesehen hatte und es ihm seine Freunde gezeigt haben, und sehr vorsichtig.
Es gelangen ihm auch nach einiger Zeit Kurven und er
konnte dann auch schon aus eigener Kraft stehen bleiben und nicht nur wenn
er am Ende des flachen Hanges, wo es leicht bergauf ging, wieder von
selber zum Stehen kam.
Also übte er das Schifahren eine ganze Weile, bis es
dann wieder gegen Abend Zeit war, nach Hause zu fahren.
Die Freunde vom PauliOpa hatten beschlossen zur Station
mit den Schiern hinunter zu fahren. Die Abfahrt nach unten war schon etwas
schwieriger und steiler. als das flache Terrain oben auf der
"Glatze".
Also startete der PauliOpa die Abfahrt ins Tal, da er ja
ein mutiger Bursche war und nicht feige. Er hatte auch in der Schule einen
Lehrfilm über das Schifahren gesehen du er würde das schon schaffen. Er
plante die Abfahrt in "Serpentinenform", also schlangenförmig.
Dazu stellte er sich, wie er es im Film gesehen hatte,
schräg zum Hang und begann den etwas steileren Hang hinunter zugleiten.
Er belastete auch richtig den Talschi und freute sich, dass es so gut
ging.
Bald jedoch war es an der Zeit, wieder umzudrehen und in
die nächste Serpentine zu gelangen. Also leitete der PauliOpa die
Stemmbogenkurventechnik ein und erfuhr auch richtig um die Kurve. Der
haken daran war, dass er aber die Fall-Linie überwinden musste um wieder
schräg zum Hang in die andere Richtung zu fahren. Einige Kurven ging das
auch gut.
Dann aber, als sich der PauliOpa und die Falllinie
gegenüberstanden, sagte der PauliOpa zu sich, das sei nur ein kurzes
Stück und es ginge bald wieder leicht flach, das konnte er sehen, da
könne er gerade hinunter fahren.
Sprach' s und als er sich in der Fall-Linie befand tat
er die Schi zusammen und los ging es im - für den PauliOpa - Höllentempo
den Hang hinunter. Da, eine Bodenwelle. Schön Vorlage und die Schi
durchdrücken. Das sagte der Film. Es ging auch gut, bei der ersten Welle.
Aber da war noch eine Welle.
Aber die war relativ steil bergauf und die
Geschwindigkeit hoch. Der Pauliopa hatte keine Gelegenheit mehr, einen
körpertechnischen Ausgleich zu machen und er führ mit der Vorlage von
der ersten Welle in die zweite. Es hob ihn aus, er hatte keine Chance mehr
und er flog durch die Luft. Und landete bäuchlings und mit dem Kopf
hangabwärts unsanft auf der Piste.
Die Schi hatten sich nicht gelöst und der PauliOpa lag
da auf dem Bauch und die Schi standen im rechten Winkel weg. Seine Freunde
waren schon weit unten und hatten das nicht gesehen. Es dauerte eine ganze
Weile, bis sich der PauliOpa von der Schiern befreien und sich wieder
aufrappeln konnte. Seine Knie waren durch die Drehung sehr beleidigt; sie
schmerzten zwar aber sie waren noch funktionsfähig. Gottseidank habe er
sich keine schwereren Verletzungen zugefügt.
Nach einer Weile schnallte sich der PauliOpa die Schi
wieder an und setzte seinen Weg ins Tal fort. Irgendwann war der dann
unten im Tal angekommen, wo er von seinen Freunden begrüßt wurde. Er
schnallte sich die Schi ab und freute sich, dass er endlich erlöst war
von der Plage, obwohl ihm das Schifahren an sich Spaß machte.
Es war aber noch ein Stück bis zur Haltestelle der
Straßenbahn und da sie Straßen damals noch nicht gesalzen wurden und die
Nebenstraßen auch nicht gestreut wurden, war die Straße zur Haltestelle
befahrbar, noch dazu wo es bergab ging.
Auch der Pauliopa hatte sich entschlossen, die Fahrt mit
den Schiern zur Haltestelle fortzusetzen und er schnallte sich die Schi
wieder an. Er fuhr als letzter, damit er die anderen nicht behindere, wenn
es Kalamitäten gäbe. Und er fuhr schön der Straße nach, die sich mit
leichtem Gefälle zur Station schlängelte. Da diese Straße aber nicht
ganz so breit waren, wie die Bremsversuche vom PauliOpa, wurde er immer
schneller und schneller. Er meisterte die Kurven mit Bravour, bis auf die
vorletzte. Das war eine Kurve von fast neunzig Grad und am äußeren Rand
befand sich ein großer Schneehaufen, der eine enorme Anziehungskraft auf
den PauliOpa hatte. Und richtig fuhr er in diesen Schneehaufen hinein, die
Schi ganz unten. Als
der PauliOpa zum Stillstand gekommen war , ist er auf den Schiern
gesessen, bis zum Kinn im Schnee und die Schispitzen schauten an anderen
Ende heraus.
Ein lustiger Anblick, haben seine Freunde gefunden. Der
PauliOpa fand das nicht und hat auch nicht sehr gelacht. Dann hat es der
PauliOpa noch einmal versucht, aber ähnliche Erlebnisse gehabt. Das
Schifahren habe ihn dann nicht mehr so gefreut und er sei dann lange Zeit
nicht wieder auf Schiern gestanden. |