Der PauliOpa und das Nikolohaus...
zur
Bastelanleitung
Der
PauliOpa hat mir einmal erzählt, dass er vom Nikolo oder vom Krampus
(er wisse das nicht mehr so genau) ein Nikolohaus bekommen hat als er
sieben Jahre alt war. Es muss aber Nikolo gewesen sein. Wäre es vom
Krampus gewesen, hieße es doch Krampushaus, oder?
Der PauliOpa wohnte früher als Kind mit seinen Eltern
in einer kleinen Zimmer-Küche Wohnung im Erdgeschoss mit Fenstern in
einen Hof. Zur Nikolozeit, das war der sechste Dezember, kamen der
Nikolo und der Krampus zu den Kindern, um ihnen Geschenke zu bringen,
wenn es brave Kinder waren. Handelte es sich um schlimme Kinder, machten
diese dann Bekanntschaft mit dem Krampus und seiner Rute, was sehr
schmerzlich für sie war. Und sie bekamen dann auch keine Geschenke.
Da der Krampus und der Nikolo zur damaligen Zeit viel
zu tun hatten, besuchten sie die Kinder auch schon am Vortag, dem
fünften Dezember.
Die Kinder stellten an diesem Tag am Abend auch ihre
Schuhe in das Fenster. Diese waren dann am nächsten Morgen mit
Mandarinen, Orangen, Erdnüssen und Zuckerl gefüllt. Aber nur wenn das
Kind das Jahr über brav gewesen ist. Ansonsten fand ein schlimmes
Kind nur rohe Erdäpfel, Kohlen und Karotten in seinen Schuhen.
Wie alle Kinder damals, hatte auch der PauliOpa eine
fürchterliche Angst vor dem Krampus, der die schlimmen Kinder mit
seiner Rute verhaute, was sehr unangenehm war und da der PauliOpa auch
immer das Jahr über den einen oder anderen Streich gespielt hatte, war
er ja auch ein möglicher Kanditat für den Krampus und nicht für den
Nikolo.
In dem besagten Jahr also legte sich der PauliOpa um
fünf Uhr abends, als es schon finster war, in das Bett seines Vaters
und zog sich die Tuchent über den Kopf. So lag er dann geraume Zeit im
Bett und fürchtete sich in der Dunkelheit so vor sich hin.
Seine Mutter war ganz besorgt und sah hin und wieder
nach dem PauliOpa, um ihn etwas zu beruhigen und Mut zuzusprechen.
Plötzlich pumperte es an dem Zimmerfenster bei der Türe so gewaltig,
dass dem PauliOpa ganz angst und bang wurde. Man hörte auch
Kettenrasseln. Eine rauhe und tiefe Stimme, die wahrscheinlich dem
Krampus gehörte, fragte ob hier der Klein-PauliOpa wohne. Als die
Mutter das bejahte, forderte die Stimme sie auf, das Fenster zu öffnen.
Dem PauliOpa rutschte das Herz in die Hose.
Etwas erleichtert vernahm er dann die Antwort seiner
Mutter, dass sie das Fenster nur dann aufmache, wenn versprochen würde,
dass dem PauliOpa kein Leid geschähe. Nach einer kleinen Weile,
während der der Nikolo wahrscheinlich in seinem Buch nachschaute, ob
der PauliOpa den Krampus persönlich treffen sollte, wurde dem Wunsche
der Mutter stattgegeben und ihr mitgeteilt, dass heuer keine
Tätigkeiten des Krampusses hier vorgesehen seien. Im Gegenteil: Wenn
sie das Fenster öffnete, werde sie für den PauliOpa ein Geschenk
erhalten.
Die Mutter öffnete das Fenster, man hörte wieder
Kettenrasseln und darauf das Schließen des Fensters. Die Mutter sagte:
"Schau Pauli, was dir der Nikolo gebracht hat!"
Der PauliOpa lüftete die Tuchent und prüfte, ob auch
alles im Lot sei und keine Gefahr mehr vorhanden wäre. Er merkte, dass
die Luft wieder rein sei und stieg aus dem Bett. Seine Mutter hatte in
der Zwischenzeit das Licht im Zimmer wieder aufgedreht. Der PauliOpa sah
ein seltsames Gebilde dort am Fenster stehen. Es sah aus wie ein
Haus.
Der PauliOpa sah neun rote Äpfel, die so mit Stangen
zusammengesteckt waren, dass ein Haus entstand. Die Stangen waren mit
rotem Krepp-Papier spiralförmig umwickelt und auf den oberen Stangen
hingen getrocknete Zwetschgen, in Silberpapier eingewickelte Nüsse und
Schokoladestücke, Zuckerl und andere gute Sachen. Auch eine
rot-weiss-rote Fahne war am obersten Apfel eingepflanzt worden.
Der PauliOpa konnte sich nicht satt sehen an diesem
Nikolohaus und freute sich sehr, dass er heuer dem Krampus gar nicht
begegnet war. Als er aber vor der Wohnungstüre wieder Kettenrasseln
hörte, war es mit seiner guten Laune eher wieder vorbei und eine
neuerliche Furcht beschlich ihn, dass der Krampus doch noch käme, um
seine Rute zu verwenden. Flugs flüchtete er wieder in das Zimmer. Doch
als sich die Wohnungstüre öffnete, kam sein Vater herein und hielt
eine Kette und eine Rute in der Hand. Er schaute den PauliOpa
bedeutungsvoll an und sagte: "Jetzt bin ich dem Nikolo und dem
Krampus begegnet". Dem Krampus habe er die Kette und die Rute
weggenommen, da würden ihm viele Kinder dankbar sein.
Wie bewunderte der PauliOpa da seinen Vater und
schaute ihn mit glänzenden Augen an. Sein Vater war ein Held. Sie
saßen dann noch eine Weile vor dem Abendessen zusammen. Der Vater vom
PauliOpa erzählte aus seiner Jugend von seinen Erlebnissen und
Streichen. Der PauliOpa hörte ihm mit roten Ohren sehr interessiert zu.
Nach dem Essen war dann noch Zeit, Radio zu hören.
Fernsehen gab es ja damals noch keines. Man ging bald zu Bett, um für
den nächsten Tag wieder ausgeschlafen und fit zu sein. "Der Schlaf
vor Mitternacht sei der beste", pflegte man damals zu sagen.
Der PauliOpa ging zu Bett und schlief bald ein. Er
träumte noch vom Krampus und vom Nikolo, was wisse er nicht mehr so
genau. Aber es sei ein schöner Traum gewesen, daran erinnere er sich
noch ganz genau.
Das Nikolohaus hielt eine Woche, dann waren keine
Sachen mehr darauf zum Herunternehmen. Der PauliOpa zerlegte da Haus in
seine Einzelteile. Mit den Stangen und der Fahne wurde der Ofen in der
Küche gefüttert. Die Äpfel wurden dann auf dem Ofen gebraten und ein
herrlicher Duft verbreitete sich dabei. Und wie sie schmeckten, diese
gebratenen Äpfel! meinte der PauliOpa.
Das hat mir der PauliOpa so erzählt. Mir lief das
Wasser im Mund zusammen, bei dem Gedanken an die Äpfel und der PauliOpa
meinte, dass wir heuer auch Äpfel braten könnten, sofern der Nikolo
mir auch eines von seinen Häuschen bringen würde. Da wir aber keinen
Ofen mehr hätten, würden wir dem PauliOpa seinen elektrischen Griller
dafür verwenden, das sei zwar nicht dasselbe, aber es ginge auch.
Ich bin aber auch schon sehr gespannt, was heuer in
meinen Schuhen sein wird, wenn ich sie in das Fenster stellen werde, und
ob ich vielleicht auch so ein Nikolohaus bekommen werde.
Vor dem Krampus habe ich aber überhaupt keine Angst,
weil der PauliOpa sagt, er würde mich stark vor dem Krampus beschützen
und ich dürfe mich hinter seinem Rücken verstecken. Außerdem glaube
er, dass zu mir nur der Nikolo käme, weil ich ja im großen und ganzen
eher zu den braven Kindern zählen würde.
*) Es gibt auch eine Bastelanleitung
dafür.... <<hier>> |