Eine Busreise nach Opatija
Wir
waren schon geraume Zeit nicht auf Urlaub gewesen und hatten eines Tages
wieder einmal mit unserem Schwager Kontakt gehabt. Er ist Buschauffeur
bei einem Autobusreiseunternehmen in der Steiermark. Dieses Reisebüro
veranstaltet Busreisen nach den verschiedensten Destinationen in
Österreich und Europa.
Wir erfuhren, dass bei einer Busreise nach Opatija noch zwei Plätze
frei wären und so beschlossen wir relativ spontan, bei dieser Reise
teilzunehmen. Da die Busreise früh an einem Samstagmorgen in Fehring
begann und wir jedoch in Wien wohnen, starteten wir am Vortag und
besuchten die Mutter meiner Frau für einen Tag und konnten dort auch
bis zum Beginn der Busreise bleiben. Vierunddreißig Männlein und
Weiblein waren wir, zusammengewürfelt aus allen Schichten, doch mit dem
gemeinsamen Wunsch, eine nette Reise zu erleben. Unser Chauffeur war
auch der Chef des Reisebüros und er ist ein sehr umsichtiger Mann. Sein
Bestreben, seinen Kunden das bestmögliche zu bieten, fiel mir sehr
positiv auf und war sehr angenehm.
Als wir nun alle Reisenden im Bus versammelt waren – wir wurden alle
fast von allen möglichen Treffpunkten in der Nähe mit dem Bus abgeholt
– fuhren wir über Graz und Spielfeld nach „Trojana“, einen
Gasthaus auf einer kleinen Passhöhe, wo wir einer Jause frönten. Ich
hatte mir eine Spezialität ausgesucht, eine „Flecksuppe“ oder
Kuttelsuppe, die mir ausgezeichnet mundete. Dazu wurde Bier kredenzt.
Nach dieser Stärkung wurden wir über Ljubljana, Postojna und am
Ucka-Tunnel vorbei nach Opatija gebracht.
Opatija ist ein noch von der Kaiserzeit her bekannter Ort an der Adria
– bei uns besser als Abbazia bekannt - mit einem sehr milden Klima. Es
war Anfang März und leider noch unbeständig und regnerisch dort, aber
das tat unserer Stimmung keinen Abbruch.
Am frühen Nachmittag trafen wir in unserem Hotel ein und bezogen unsere
Zimmer. Wir wurden in einem schönen Zimmer mit Meerblick im vierten
Stock einquartiert. Die Koffer wurden ausgepackt und wir gingen dann
noch die Küste entlang auf der Promenade ein wenig spazieren, denn bis
zum Abendessen hatte es noch eine Weile hin.

Auf dem Rückweg gingen wir die Hauptstrasse entlang und passierten auch
einen schönen und gepflegten Park, in dem schon die Kamelien blühten.
Wir ergötzten uns an der uns etwas fremden Vegetation. Wo wuchsen in
unseren Breite schon Palmen, oder Bambus oder Feigenbäume, Rotzedern,
Pinien oder Zypressen.
Es nieselte leicht. Es war aber ein warmer Regen, doch die Nässe konnte
uns nichts anhaben, da wir entsprechend gekleidet und mit Schirmen
ausgerüstet waren. Der Chef des Reisebüros verkündete: „Dort wo wir
sind, ist die Sonne!“ und ich ergänzte: „Oder sie kommt gleich!“.
Der nächste Tag war wieder ein schöner Nieselregentag, der der
Akklimatisation diente. Da es Sonntag war, besuchten wir eine
katholische Messe in der Landessprache und erfreuten uns am schönen
Gesang des Kirchenchores.
Es war eine schlichte Kirche aus Backsteinen in Kreuzform, die innen mit
recht wenig Prunk eingerichtet war und die uns trotzdem ein Gefühl der
Größe und Mächtigkeit unseres Herrgottes vermittelte und mit
Ehrfurcht erfüllte.
Zu Mittag trafen wir uns in einem Restaurant, das uns Fische,
Grillspeisen und „vertige“ Speisen versprach. Da ich gerne
Meeresfrüchte speiste, tat ich mich an den Calamari oder Tintenfischen
gütlich.
Eine ausreichende Portion und ausgezeichnet zubereitet. Dazu gab es –
eine kroatische Eigenart, die ich gerne übernommen habe – Bibita, das
ist eine Mischung von einem Drittel dalmatinischem Rotwein und normalem
Wasser. Man kann länger trinken und es „rauscht“ weniger schnell.
Im Sommer eine herrliche Erfrischung. Nach dem Essen zogen wir uns etwas
zurück und pflegten der Ruhe. Später hatten wir wieder Gelegenheit zu
einem Spaziergang an der Küstenpromenade. Gerade rechtzeitig erreichten
wir unser Hotel, wo uns wieder ein reichliches Abendessen serviert
wurde.
Am nächsten Tag wanderten wir nach dem Frühstück nach ICICI, der
nächsten südlichen Ortschaft von Opatija, etwa 3 Kilometer entfernt.
Das Mittagessen bestand heute nur aus einer Fischsuppe, wieder mit
Bibita und reichlich Brot.
Wir hatten entdeckt, dass es im Hotel einen gedeckten Swimming-pool mit
Meerwasser gab und wir probierten dann einige Runden zu schwimmen. Ein
kuscheliges Gefühl, bei Regen in einem dreißig Grad warmen Wasser zu
baden. Es gab auch eine Sauna, die ich ebenfalls gleich ausprobierte.
Zwei Aufgüsse gelangen mir bei einer etwas kühlen Temperatur von
achtzig Grad Celsius.
Nachher spazierte ich auf einem Balkon, nur mit der Badehose bekleidet,
auf und ab. Vorbeigehende Spaziergänger wunderten sich über diesen „Härtling“,
der da fast nackt im Freien herumlief, wo es doch nur um die vierzehn
Grad hatte. Nach dem Abendessen, wo ich zum Dessert eine angemessene
Portion Eiscreme erhielt, trafen wir uns noch zu einem kleinen Plausch
im Kaffeehaus.
Am nächsten Tag wurden wir nach dem Frühstück mit dem Bus nach
Moscovice zum Bürgermeister gebracht, wo eine Stadtführung stattfand
und wo wir einen Einblick in die Herstellung von Olivenöl erhielten.
Auch das Wasser aus Moscovice wurde vom Bürgermeister einer
wohlwollenden Erwähnung für würdig erachtet. Er meinte, dass dieses
Wasser wundertätig bei müde Männern wirke, was ich sogleich
ausprobierte, worauf mich der Bürgermeister mit dem Titel Potenzmann
bedachte und mich ersuchte, von der Wirkung zu berichten.
Ich tat das auch am übernächsten Tag, wo ich ein steifes linkes Bein
vortäuschte und behauptete, dass ich das Wasser in den falschen Fuß
bekommen hätte.
Die uns begleitendenden Frauen klärte ich dahingehend über die
Verwendung auf, dass Sie darauf achten sollten, dass das Wasser zügig
von den Herren der Schöpfung getrunken werde, da man ansonsten den Hals
für einige Zeit nicht mehr gut bewegen könnte.
Einige Damen und Herren kauften Ölivenöl und Lavendelbadeöl, auch
Wein wurde angeboten und gekauft. Das Mittagessen nahmen wir in einem
Restaurant in Moscovice ein.
Nach der Heimkunft im Hotel gingen wir nach einer kleinen Ruhepause
wieder in das Hallenbad und in die Sauna. Darauf folgte wieder ein
kleiner Rundgang durch Opatija und das obligate, weil der Halbpension
zugerechnete Abendessen mit einer Extraportion Eiscreme.
Seltsamerweise hatte ich nachher einen etwas eiligen Gang zum Zimmer.
Ich nehme an, die Eiscreme war schuld an meiner Eile. Nachher nahm ich
ein Medikament gegen Bauchgrimmen ein und alles hatte sich wieder rasch
beruhigt.
Wir glaubten es kaum, als wir am nächsten Morgen aus dem Fenster
blickten. Die Sonne ging strahlend am Horizont auf und schien in unsere
Herzen. Wir beschlossen, den Tag zu nützen und eine längere Wanderung
der Küste entlang nach LOVRAN zu machen.
Wir brachen zu fünft auf und bereits taten unsere erste Rast relativ
früh in einem Lokal am Weg, weil man hier dem Vernehmen nach einen
herrlichen Cappuccino-Kaffee servierte. Das Gerücht bewahrheitete sich.
Der Cappuccino war köstlich.
Nach einer Weile erreichten wir die nächste Ortschaft und wir kehrten
wieder bei einem Strandcafe ein, wo wir uns mit einer Limonade oder Bier
labten. Unsere drei Begleiter beschlossen dann, nicht mehr weiter nach
LOVRAN zu gehen.
Wir erreichten das malerische Städtchen etwa um die Mittagszeit und
besuchten die Altstadt, die sich über einige Häuserblöcke mit engen
Gassen um eine Kirche erstreckte. Wir hatten Obst und Schnitten als
Wegzehrung mit und stärkten uns auf einer Bank an der Uferpromenade mit
unseren Vorräten.
Nach einiger Zeit erreichten wir wieder unseren Ausgangspunkt, das Hotel
in Opatija, und wir besuchten wieder das Schwimmbad und die Sauna.
Nach dem Abendessen saßen wir noch eine Weile in der Hotelbar und
sprachen über dieses und jenes. Geraume Zeit später suchten wir unsere
Zimmer auf und der Vollmond wachte über unseren Schlaf.
Heute war am Nachmittag wieder ein Ausflug geplant. Am Vormittag
schlenderten wir wieder durch die Ortschaft Opatija. Wir besichtigten
den Park etwas genauer und fanden eine kleine romantische Kirche, die
aber leider abgeschlossen war, sodass wir die Innenseite nur durch die
Glastüren besichtigen konnten.
Auf der Uferpromenade wanderten wir diesmal nach Norden in das nächste
Fischerdorf Volosko, wo wir nach einem kurzen Rundgang in einem Cafe am
Hafen einen Fruchtsaft konsumierten und später wieder gemütlich nach
Opatija wanderten.
Unser Mittagessen nahmen wir heute in einem der etwas feineren
Restaurants ein, dem „Madonna“ in der Nähe unseres Hotels, wo wir
an einen Tisch in einem Erker saßen. Wir hatten einen herrlichen Blick
auf das Meer und auf das gegenüberliegende Rijeka.
Ich bestellte wieder die obligaten Calamari. Als Amuse geule wurden
uns warme Pizzabrotstückchen mit „Kajmak“, einer sehr
wohlschmeckenden kroatischen Käsespezialität, serviert. So gestärkt
trafen wir unsere anderen Reiseteilnehmer wieder am Bus.
Für war heute wieder ein Ausflug in das Landesinnere nach Zmin zu einem
Bauernhof geplant. Nach längerer Fahrt entlang der Küste bogen wir
dann Richtung des Zielortes in das Landesinnere ab. Wir erreichten einen
großen, im Ausbau befindlichen Gutshof, wo ein Menu mit einer
"geselchten", sprich geräucherten, Bohnensuppe, mit
Fleischspießen, gebackenen Mäusen und Kaffee serviert wurde.
Heute hatten wir Gelegenheit, auch den bekannten Weißwein, den „Malvasija“,
zu verkosten. Die Kinder des Bauern unterhielten uns mit
Musikdarbietungen. Der Sohn spielte auf einer Art Dudelsack und die
etwas ältere Tochter sang und spielte auf einer Harmonika kroatische
Volkslieder.
Diese melancholische Weisen berühren einen auf eigentümliche Art, sie
handeln von Liebe, meist der zuerst unerfüllten und dann doch
erfüllten. Wir haben diesen Vortrag sehr genossen. Besonders
beeindruckt hat mich das auch von der Tochter dargebotene Lied "Amazing
Grace".
Unsere kulinarische Aufnahmekapazität wurde dann etwas auf die Probe
gestellt, da wir ja auch noch unser Abendessen zu absolvieren hatten.
Heute habe ich zum Dessert nur eine normale Portion bestellt. Wir
rollten dann auf unsere Zimmer und fielen zentnerschwer ins Bett.
Der nächste Tag war wieder etwas unbeständig, die Sonne war hinter
Wolken versteckt. Wir nahmen das aber nicht tragisch, da wir am
Vormittag eine Fahrt nach Rijeka geplant hatten.
In Rijeka selbst spazierten wir etwa zwei Stunden durch die Straßen,
die einen besuchten einige Kirchen und das tausendjährige Kreuz oder
den heiligen Sebastian. Wieder andere statteten dem Hafen einen Besuch
ab oder sahen sich auf dem Bauernmarkt um.
Wir hatten Glück, denn auf der Fahrt nach Rijeka hatte es geregnet. Als
wir den Bus verließen, hörte der Regen auf. Jetzt auf der Heimfahrt
regnete es wieder.
In Opatija nahmen wir dann wieder unser Mittagessen ein und waren dann
wieder Gast in unserem Hallenbad mit Sauna. Heute hatte ich einige
Probleme in Sauna, weil es doch etwas heißer war und mir die Aufgüsse
ganz schön zusetzten.
Dann umrundeten wir nochmals das nette Städtchen an der Adria, hieß es
doch Abschied nehmen, weil morgen am Vormittag die Heimreise angesetzt
war.
Nach einem Galadiner im Hotel gingen wir heute etwas zeitiger schlafen
und fanden uns dann nach dem Frühstück pünktlich am Bus ein. Die
Koffer wurden verstaut und wir traten die Heimreise an. Im Trojana, dem
Gasthof an der Passhöhe hielten wir unsere Mittagsrast. Die Fahrt nach
Hause verlief ohne Zwischenfall, es dauerte jedoch nach Ankunft in
Fehring noch etwa eine Stunde, bis wir zu unserem Auto geführt wurden,
welches in der Busgarage stationiert war.
Nach einem schönen und gemütlichen Urlaub besuchten wir wieder meine
Schwiegermutter und übernachteten bei ihr. Heute frühstückten wir nur
wenig, da wir langsam wieder unser Normalgewicht erreichen wollen.
Die Fahrt nach Wien war ebenfalls problemlos und wir akklimatisierten
uns wieder, jeder auf seine Weise, in Wien. Hedi war es ein Anliegen,
die Wäsche wieder auf „Ette-Petete“ zu bringen und ich hatte meinen
Computer schon lange nicht gesehen.
An diesen Urlaub werde ich mich immer gerne erinnern. Ich hatte
wieder Gelegenheit, einen Ort zu besuchen, in dem ich früher oft
beruflich unterwegs war.
Es hat sich einiges geändert, seit diesem unnötigen und unmöglichen
Krieg. Es ist „westlicher“ und kapitalistischer geworden. Das hatte
aber meiner Erholung keinen Abbruch getan, weil diese Veränderungen
unmerklich passieren. Die Leute sind freundlicher geworden. Die
Bedienung in de n Geschäften wirkt noch aufmerksamer als früher.
Die Krone des Ganzen war aber die fürsorgliche Bereuung durch
unseren Chauffeur, Reiseleiter, Kamerad und Freund in einer Person.
Durch Herrn Franz Obenauf. Hiefür sei ihm recht herzlich gedankt.
Leider war die Zeit unseres Aufenthaltes sehr kurz. Ich werde sicherlich
dieses Urlaubsziel im Auge behalten und bei nächster Gelegenheit wieder
hinfahren.
Sollte jemand auf den Geschmack gekommen sein, eine dieser Busreisen
oder eine Flugreise zu unternehmen, wende er sich vertrauensvoll an
Firma Obenauf in Fehring (die Homepage wird in Kürze verfügbar sein)
für weitere Informationen. Ich bin sicher, dass man hier bestens
betreut wird, denn beim Obenauf ist der Kunde noch König. |